Class afloat – Highschool auf den Weltmeeren

Megan unterrichtete von Anfang an auf einem Segelschiff. Direkt nach ihrem Studium an der Arcadia Universität im kanadischen Halifax wurde sie Lehrerin an einer ganz besonderen Highschool: „Class Afloat“ ist eine Schule auf einem Großsegler, der 70 Schülern ein Zuhause bietet. Gemeinsam leben und lernen sie auf dem Segelschiff, mit dem sie die Ozeane überqueren. Megans Universität kooperiert seit Jahren mit der Schule.

1984 war nicht nur das Jahr in dem die UN Allianz der Zivilisationen das „International Year of Youth“ ausrief, sondern gleichzeitig auch das Gründungsjahr der Class Afloat. Die Schule verkörpert den Geist dieses speziellen Jahres und die damit verbundenen Ziele auf besondere Weise: die Förderung der Entwicklung von Jugendlichen und ihrer Beteiligung an der Entwicklung der Gesellschaft.

Megans Motivation, sich für diese besondere Lehrerstelle zu bewerben, waren vor allem Reiselust und Neugierde. Eine Motivation, die sie sicherlich mit den meisten der interessierten Schülern teilt. Wer die Welt erkunden will, bringt Neugierde und Abenteuerlust mit – und außerdem vielleicht den Wunsch, etwas Besonderes zu tun. Nur wenige Schüler haben bereits Erfahrung mit dem Segeln gemacht, trotzdem sehnen sich viele danach, den Routinen des normalen Schulalltags zu entfliehen und träumen von Sonne, Meer und Freiheit.

Class-afloat
Segelunterricht (Photo, class afloat)

Ganz so romantisch ist der tatsächliche Alltag an Bord allerdings nicht. Räumliche Enge, eintönige Mahlzeiten aufgrund des begrenzten Stauraums und Schlafentzug (die Schüler müssen abwechselnd Nachtwache halten) zehren an den Nerven. Gleichzeitig gilt es das Wasser als kostbares Gut zu verstehen und sparsam einzusetzen. Mit diesen Aspekten sind erfahrene Segler bereits bestens vertraut, 16-jährige Schüler jedoch nicht. Die Klassenräume auf der Class Afloat werden gleichzeitig auch als Speisesaal, Sport- und Freizeitraum genutzt. Daher müssen diese Räume immer aufgeräumt sein und werden permanent gepflegt. Neben vielen anderen Arbeiten, die auf einem Segelschiff anfallen, müssen außerdem Mahlzeiten vorbereitet und Nachtwachen organisiert werden. Zusätzlich zu ihrem Schulalltag werden die Schüler bei all diesen Aufgaben miteinbezogen. Lehrer, Schüler und die Crew sitzen buchstäblich „im selben Boot“ und müssen sich gemeinsam mit den Gegebenheiten arrangieren.

Unterricht (Photo, class afloat)
Unterricht (Photo, class afloat)

Man kann sich leicht vorstellen, dass „geteiltes Leid“ eine starke Bindung entstehen lässt. Dass es zwar die Teamfähigkeit strapaziert, sie aber auch gedeihen lässt. So entsteht ein besonderer Zusammenhalt, den man üblicherweise unter Schülern, aber auch unter Lehrern, eher selten findet. Megans spricht ein bisschen schneller, wenn sie davon erzählt, dass durch gemeinsam bestandene Abenteuer oft echte Kameradschaft und tiefe Freundschaften entstehen. Ihre größte Belohnung ist es aber, einen Beitrag zur Entwicklung der jungen Menschen beizutragen, die ihr anvertraut wurden. Die Schüler lernen auf der Class Afloat wie wichtig Authentizität und Ehrlichkeit im Umgang mit anderen sind. Sie lernen, sich zu vertrauen und sich mit allen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Selbstvertrauen in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten, ein offener Geist und die Bereitschaft sich einzubringen sind wichtige Faktoren für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Die Pädagogen müssen an dieser Schule eine besondere Leistung vollbringen, bekommen aber auch viel zurück: Schüler mit Sonne im Gesicht und Wind im Rücken auf einer intensiven Reise (auch zu sich selbst) zu begleiten, ist sicherlich ein ganz besonderes Erlebnis. Kein Wunder, dass Megan schon seit 10 Jahren im Beruf ist und bisher noch nicht über eine Veränderung nachgedacht hat

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