Was passiert, wenn man nach drei Jahren wieder in die Heimat zurückkehrt? Die Beobachtungen sind sehr unterschiedlich. Einige vertraute Gesichter haben sich verändert, andere dagegen gar nicht. Da scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Ich bewege mich auf gewohntem Terrain, das sich anders anfühlt als in der Vergangenheit. Als wäre die gewohnte Kulisse in einem anderen Film aufgebaut worden. Abstand gewinnen bedeutet wohl auch, die Dinge mit ganz anderen Augen wahrzunehmen. Die Erlebnisse und Eindrücke schwingen im neuen Alltag mit und tauchen ihn in ein anderes Licht. Nach einer solchen Erfahrung kann man nicht wieder da anknüpfen, wo man aufgehört hat. Die Zäsur verlangt nach einem neuen Kapitel. Die Erkenntnis ist gut aber die Umsetzung schwierig. Zum Ende der Reise war eine Idee entstanden. Die Naturerlebnisse haben geprägt und ließen den Wunsch nach mehr Kontakt zur Natur entstehen. Keine schlechte Idee aber wo und dann natürlich auch, wie? Die Wahl fiel auf Südafrika. Nicht unbekannt, aufgrund der beruflichen Erfahrung der Vergangenheit und eines verheißend: Land und professionelle Landwirtschaft. Aber kommt man hier auch als lernender Neu-Landwirt klar? Denkt man nicht sofort an Clarkson´s farm (4 Staffeln!) oder härter, an Alice Herdan-Zuckermayers „Die Farm in den grünen Bergen“, wo sie den kargen Alltag auf ihrer Hühnerfarm beschreibt? Zwischen Hühner-krankheiten, Schneebergen und Fremdsein, dem deutschen Naziregime entflohen, gab es hier anstrengenden, ehrlichen Farmeralltag, dessen Glück und Unglück man sich ebenso schwer entziehen kann wie der Show von Herrn Clarkson. Zwar sind wir weg entfernt von den einsamen und schneebedeckten Bergen Vermonts, aber ein gewisses Unbehagen beschleicht mich auch. Wir sind (noch) keine Farmer, wir sind Gottlob nicht auf der Flucht aber sicher auch keine unwissenden Romantiker. Es ist eher eine Mischung aus Pragmatismus und durchdachter Fantasie gesprenkelt mit ein wenig Romantik. Südafrika war schon länger ein Traumziel. Eines der Top Agrarländer der Welt, mit riesigen Flächen, Wasser Ressourcen und gut ausgebildeten Agrarexperten lockt, neben der Aussicht auf Weingenuß, gutes Essen, Bergpanoramen und Ozeanabenteuer.


Nach drei Monaten Feldforschung sieht das Ergebnis recht beachtlich aus. Wir haben eine Region gefunden, in der wir uns wohlfühlen, die touristisch erschlossen ist und in der viele Zugezogene leben. Sowohl Südafrikaner aus dem Norden des Landes als auch Deutsche, Franzosen, Engländer und neuerdings auch Amerikaner, woher das wohl kommt? Hier werden Landwirtschaft und Weinanbau betrieben. Die Natur ist überwältigend. Wir haben viele Menschen kennen gelernt, die wohlmeinend ihre Kenntnisse mit uns geteilt haben, eine erste Mitarbeiterin rekrutiert, wofür wir erstaunlich wenig Überzeugungsarbeit leisten mussten. Sie war sofort begeistert von unserem Farmprojekt.
Das passende Land zu finden, ist die größte Herausforderung, denn hier herrschen strenge Regeln, was die Zuteilung von Wasser, der wichtigste Ressource und die Organisation von Naturschutz Regeln betrifft. Wir sind von einer Amtsstube zur nächsten gelaufen. Die Menschen sind hilfsbereit, wenn auch verhalten optimistisch, was unsere zeitlichen Erwartungen betrifft. Beharrlichkeit zahlt sich aber wie überall aus. Jetzt warten wir darauf, die Früchte unserer Arbeit zu ernten. Die Auswahl ist getroffen, der Verkäufer des Farmlands muss sich entscheiden, ob er es an uns verkaufen möchte oder nicht ? Auch das haben wir schon erlebt, einen Rückzieher in der letzten Minute, weil es um die Ecke doch noch einen anderen Anbieter gab, der sich heimlich angeschlichen hatte und ein besseres Angebot vorlegte. Aber Niederlagen muss man einstecken und daran wachsen. Wer weiß, wofür es gut, war, sonst hätten wir das jetzige Objekt gar nicht gefunden.
In den Jahren nach Covid hat sich Südafrika sehr verändert. Was früher eher ein Paradies für betuchte golfspielende Menschen war, die Zeitverschiebung und kalte Winter scheuten, ist es heute ein Paradies für Familien und junge digital Nomads. Zumindest im Western Cape. Die Szene hat sich angepasst. Viele schicke neue Cafés, Farmrestaurants oder Delishops schießen, neben, zumindest für zahlungskräftige Ausländer, bezahlbare Airbnb Wohnungen, aus dem Boden. Die Jugend hat das Kap entdeckt. Kapstadt bebt, besonders am Wochenende. In Franschhoek tanzen die Menschen zu den Klängen afrikanischer Jazz Musik, das Montreux Jazz Festival hat ein afrikanisches Gesicht bekommen und ist super hot, den Outfits der Festivalbesucher, nach zu urteilen. Sie sind unglaublich schön und aufwendig gekleidet. Neben der großartigen Musik gibt es auch sehr viel fürs Auge.

Der Tourismus hat in Südafrika eine lange Tradition. Schon immer haben das Klima, die beiden Ozeane, weiße Strände und die wunderschönen, romantischen Weingüter die Menschen ans Kap gelockt. Ich erinnere mich genau an meine Gedanken, als ich zum ersten Mal 1994, dem Jahr der ersten freien Wahlen, auf einer Bank im schönen Weingut Boschendal saß. Die Sonne schien mir ins Gesicht, in der Hand hielt ich ein Glas Weißwein von sehr guter Qualität. Ich betrachtete die hohen Berge und Weinreben und dachte, dass dies ein Ort von paradiesischem Ausmaß ist. Das sahen und sehen viele andere ebenso und es wird investiert. Wein wird es jedoch in unserem Fall nicht, soviel sei schon mal verraten. Es wird viel rustikaler. Aber erstmal muss es mit dem Kauf des Grundstücks funktionieren und dann sehen wir weiter…











