Reise um die Welt  – Teil II

Slow Travelling - Zeit zum Nachdenken….

…und Entscheidungen zu treffen. Ein bisschen mehr Marokko wäre schön gewesen, aber der Winter kommt, wir müssen los. Wir steuern mutig in den Atlantik und in Richtung Lanzarote.

Die erste Begegnung mit dem Ozean lässt alle Mittelmeererfahrungen verblassen. Die Wellen rollen, man wird durch langgezogene tiefe Wellentäler getragen. Die Kraft des Meeres wird spürbar. Der Sinn Sucher in mir stellt sich die Frage, was bei einer solchen Reise mit uns passiert. Schiffsreisen lassen Langsamkeit spürbar werden. Slow travelling, die Zeit dehnt sich. 

Reisen verändert die Perspektive und lässt uns Zeit anders empfinden. Bei 10 Knoten Geschwindigkeit schafft man ca. 200 Seemeilen. Das ist ein Tag.  Ein Tag allein auf dem Wasser, mit Wind, Welle und endlosem Horizont. Die Strecke von Tanger in Marokko nach Lanzarote beträgt ca. 700 Seemeilen. Drei Tage lang werden wir durchgehend unterwegs sein. Der erste Abschnitt der Atlantiküberquerung.

Atlantik Abendstimmung
Atlantik Abendstimmung

Slow travelling dehnt die Zeit

Natürlich gibt es Bücher an Bord, für die bisher zu wenig Zeit genommen war, so z.B. André Comte-Sponville „Glück ist das Ziel, Philosophie der Weg“. Moral ist das Thema des ersten Kapitels. Würden wir uns, wenn wir einen Ring hätten, der uns unsichtbar macht, anders handeln, als wir es als sichtbarer Mensch tun? Ein interessantes Gedankenspiel. Habe ich, ob sichtbar oder unsichtbar, meine eigene Moral oder verhalte ich mich nach den moralischen Regeln unserer Gesellschaft? Wenn ich das tue, füge ich mich in Konventionen oder ist das echte innere Akzeptanz?

Moral ist eine einsame Sache

Andre Comte-Sponville, „Glück ist das Ziel, Philosophie der Weg“,
Diogenes Verlag AG, Zürich, 2010

Unser Autor sagt:  Moral ist eine sehr einsame Sache. Jeder trifft moralische Entscheidungen für sich. Du entscheidest: es ist dein Leben und du bist das, was du tust.

„Du bist genauso viel wert, wie du wert sein willst“. Es gibt folglich keine absolute Moral, dennoch stehlen wir nicht, weil wir akzeptiert haben, dass eine Gesellschaft, in der alle stehlen, für uns nicht erstrebenswert ist.

Es geht also darum, sich aktiv einer Regel zu unterwerfen, von der wir überzeugt sind, dass sie für alle gelten soll.  Wir entscheiden als Einzelwesen selbst, immer jedoch, mit dem Blick auf andere.

Wieviel Egoismus dürfen wir uns folglich leisten? Wo denken wir an uns selbst und wo an die Allgemeinheit? Moralisch zu handeln ist eine bewusste Entscheidung. Damit übernehmen wir eine Verantwortung für uns und die Menschen um uns herum. Nicht vordergründig, um Akzeptanz zu erlangen sondern, aus Überzeugung. Nach Comte-Sponville sind wir mit der Fähigkeit, moralisch zu handeln ausgestattet. Verhalten wir uns entsprechend, verhelfen wir der Menschheit zu ihrer Bestimmung.

Und dann sind wir drei wellen- und gedankenvolle Tage später in Lanzarote.

Lanzarote – Vulkane und Wind

Wir haben Zeit, die uns der Wind beschert. Bei 45 Knoten Wind bleibt das Motorboot auf jeden Fall im Hafen. Wir kaufen ein, machen Weinproben und fahren mit dem Leihjeep in jeden Winkel der Insel. Es fühlt sich fast schon einheimisch an. Die Buch von Famara ist beeindruckend, da wir aber nicht surfen, für uns ist es zu windig.

Lanzarote Vulkangebiet
Lanzarote, Vulkangebiet

Wir machen einen Photokurs, denn die neue Leica, die wir uns in Anbetracht der photografischen Herausforderungen geleistet haben, will erstmal verstanden werden. Das photografische Wissen ist auch ziemlich eingerostet.

Die kahle und doch so lebendige Vulkanlandschaft hat ihre eigene Farbdynamik.  Die roten Erze leuchten vor dem fast schwarzen Lavafeld. Auch das kulturelle Highlight der Insel, das ehemalige Wohnhaus und Museum von César Manrique ist einen Besuch wert. Er hat mit seiner Kunst das Gesicht der Insel geprägt und bringt durch sie die Seele der Insel zum Leben.

Nächster Stop in drei Tagen ist Sao Vincente, einer der Kapverdischen Inseln. Dazwischen liegt noch viel Wasser….

Atlantik

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