Reise um die Welt, Teil 23

Wir nehmen den zweiten Teil unserer Weltumrundung in Angriff. Das ist wörtlich gemeint, denn die Natur Australiens ist nicht unbedingt menschenfreundlich, die Jahreszeiten sind auf diesem großen Kontinent sehr unterschiedlich und Land und Meer voller Überraschungen und unbekannter Bewohner. Salzwasserkrokodile stehen an erster Stelle auf der Liste der zu überwindenden Hindernisse auf dem Weg nach Indonesien. Aber der Reihe nach.

Sydney

Nach unserer erlebnis- und genussreichen Zeit in Bangkok machen wir uns auf den Weg nach Sydney, das sich ungnädig und regenreich zeigt. Im botanischen Garten werden Menschen vom Blitz getroffen. Scheinbar ist dies wirklich ein Land, in dem man sich seiner Haut wehren muss. Der Strand von Manly, der als einer der schönsten, Australiens, gilt, tropft das Wasser von den Straßenlaternen, die unverdrossenen Surfer schweben auf eher schlappen, grauen Wellen in Richtung Strand. Vielleicht sind wir einfach auch etwas übermüdet, der Australieneffekt ist noch nicht zu spüren.

Der Hafen von Sydney ist schön, die Fähren fahren, wie vor 28 Jahren, als wir zum letzten Mal hier waren. Wir treffen schweizerisch-australische Freunde zu Essen. Selbst in dieser Großstadt geht man früh aus, um 10:00h werden die Tische hochgestellt. Leider haben wir keine Zeit, um richtig in das australische Leben einzutauchen. In Woollolomolo, wo unser Hotel ist, werden Kakadus und Papageien von den Nachbarn gefüttert. Die Bäume der Stadt sind voll davon, ihr Geschrei klingt durch alle Gassen.

Der Regen treibt uns dann schließlich ins Museum und in die wunderbare Ausstellung „Day and Night von Louise Bourgeois“.  Ein Ausflug in eine staunenswerte Welt der Auseinandersetzung mit dem Leben, menschlicher Beziehungen, dem Tod und unserer geheimen inneren „Unterwelt“.

Unser Boot in Brisbane ruft, also fällt das Stadtprogramm in Sydney eher klein aus und wir machen uns mit dem Auto auf den Weg in Richtung Brisbane.

Blue Mountains
Blue Mountains

Blue Mountains

Die Blue Mountains liegen nicht auf dem Weg nach Brisbane, aber wir wollen uns diese berühmten Berge einmal ansehen. Der blaue Schleier, der über den endlosen Weiten der bewaldeten Berge liegt, gibt der Szene einen romantischen Touch. Wie auf einem altmodischen Gemälde liegt die Landschaft zu unseren Füssen. Wasserfälle durchbrechen das Bild; es ist ein sehnsüchtig machender Ort. Der Blick am Morgen vom Balkon des romantischen Hotels fällt auf weiße Wolken, die sich wie Watte in den Bergtälern sammeln. Man sieht grüne Berggipfel über einer dichten, weißen Wolkendecke.

Hunter Valley

Nach dem Waldbaden und mit diesen Bildern im Kopf geht es weiter in Richtung Norden. Was hat uns der erfahrene australische Radfahrer mit auf den Weg gegeben? Wenn es an der Küste regnet, ist es im Inland trocken. Diesem Rat folgend fahren wir durch einen breiten, bewaldeten und sonnigen Canyon.

Hunter Valley

Endlos vorbei an Rinderfarmen und anderen Höfen bis ins Weingebiet Hunter Valley. Direkt neben großen Steinkohle Tagebauminen, die die Natur in eine Mondlandschaft verwandelt haben, liegt ein schönes Weingebiet, in dem es vor Weingütern, Hotels, kleinen Ferienhäusern und Restaurants nur so wimmelt. Wir finden ein Hotel mit gutem Restaurant, in dem wir am Abend zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Semillon Traube machen. Frisch und lecker schmeckt der, für die Region typische, Weißwein. Die Sonne geht hinter den Weinreben, wie im südafrikanischen Busch, unter. Es ist heiß und feucht.

Port Macquerie

Port Macquerie

Nächste Station ist Port Macquerie und ein überteuertes Touristenhotel. Die Preise in diesem Teil der Welt sind unverschämt. Die junge deutsche Kellnerin, mit der wir uns in einem Restaurant in Sydney unterhalten haben, ließ durchblicken, dass die Einkünfte ihres Work and Travel Jobs deutlich unter ihren Ausgaben liegen und das gilt sicher nicht nur für die Großstadt. Kein leichtes Leben.

Das örtliche Koala Krankenhaus, eine lokale Initiative zur Rettung verletzter Koalas, macht neugierig. Die Hauptfeinde der Koalas sind, nicht überraschend, der Mensch und sein schnelles Auto, die Buschbrände und die stetige Verkleinerung des Lebensraums. Die Tiere finden sich nicht mehr zurecht und landen, buchstäblich, auf der Straße. Hier werden sie wieder aufgepäppelt.

Koala-Krankenhaus

Bellingen

Nach dem Küsten Stopp geht es weiter nach Bellingen, einem kleinen Hipster Ort, im Landesinneren. An der üblichen Geschäfts Hauptstraße kann man sich mit trendigen Accessoires á la Australien Schick versorgen. Das bedeutet, Cowboystiefel, Ugg Boots, Cowboy- und Strohhüte, Boho Kleider und Blusen. Ein paar Souvenirläden deuten darauf hin, dass hier Touristen durchziehen.

Die coolen Cafés und kleinen Boutique Restaurants sind voll. Es ist Samstag vormittags und es wimmelt und wuselt. Hunde, Kinder, Katzen, Roller, Skateboards, bunt und fröhlich. Es ist ein familienfreundlicher und beliebter Ort und der Samstagmorgen ist in vielen Teilen der Welt ähnlich. Man trifft sich mit Freunden in der Stadt, macht seine Einkäufe und lässt sich, bei schönem Wetter, vom Leben weitertreiben.

Die Strecke wird nicht kürzer, also schwingen wir uns wieder auf die Landstraße und fahren durchs Hinterland (dieses Wort gibt es im Englischen tatsächlich) und ein besseres Wort, zur Beschreibung der Landschaft, kann man nicht finden. Endlos zieht sich die Landstraße durchs Grün bis endlich ein kleines Straßendorf auftaucht, in dem es immerhin eine Tankstelle gibt. Bis zum nächsten Ort sind es noch tapfere zwei Stunden; die Kondition lässt allmählich nach.

Wenigstens regnet es nicht und schließlich taucht das Ortsschild auf. Das kleine Boutique Hotel an der Hauptstraße ist rettend und hat auch ein Restaurant, in das wir halb verhungert einfallen. Jetzt sind wir schon im Australien Modus, denn hier wird abends früh gegessen. Dinner um 18:00 h ist Normalität; der last call ist oft schon um 20:00 Uhr. Daran muss man sich als Europäer erst einmal gewöhnen.

Granite Belt

Granite Belt

Der kleine Ort im Hinterland ist netter als gedacht; auch hier befinden wir uns mitten im Weingebiet des Granite Belt. Das Angebot an Wein ist groß, schlechten Wein gibt es auf diesem Kontinent nicht. Am nächsten Tag sollte es nach Byron Bay gehen, aber bei Regen ist selbst der schönste Küstenort trostlos, also fahren wir weiter auf unserer Hinterland Straße in Richtung Brisbane, wo Arbeit auf uns wartet.

Wir mieten uns ein Appartement in der Stadt, denn nach fast vier Wochen Restaurantessen tut selber kochen einfach nur gut. Das Boot ist in der Werft, die letzten Arbeiten werden mit Hochdruck erledigt. Dann geht es endlich los; der zweite Teil der Weltumrundung hat begonnen und wir machen uns auf den Weg nach Cairns. Hier herrscht noch Regenzeit, die bis Ende März andauert. Die Hoffnung, dass sie in diesem Jahr vielleicht früher zu Ende sein könnte, hat sich leider nicht erfüllt. Es gießt, wie aus Eimern, der Himmel ist grau und das schöne Barrier Reef leider im Nebeldunst verschwunden.

Wir fahren zuerst nach Lizzard Island und hoffen, von dort wenigsten ein paar gute Tauchtouren ins Osprey Reef machen zu können. Wir werden sehen, aber ab jetzt gehört Regen Management zu unseren neuen Herausforderungen!

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